Mehr als das Notwendige

Die Philosophie, mit der das Büro Lichtwerke die Fundierung der eigenen Arbeit überschreibt, zielt darauf ab, dass das Licht nicht nur eine funktionale Notwendigkeit ist. Lichtdesigner Stefan Hofmann will mit seinem Büro aufzeigen, welche Qualität und gestalterische Kraft das Medium Licht hat. Um dies in den Projekten umzusetzen, bietet das Büro ein fundiertes Wissen in den Bereichen Architekturlichtplanung, Theater- und Bühnenlichttechnik sowie Medien- und Videotechnik, die Stefan Hofman inzwischen auch als Professor an der Hochschule Kaiserslautern weitergibt. Fasziniert vom Thema Licht, widmet sich Stefan Hofmann seit seinem Studium der Szenografie und Ausstellungsgestaltung der Arbeit mit diesem Medium im Kontext von Raum und Architektur. Als Mitarbeiter renommierter Lichtplaner sammelte er Erfahrung. Nach diversen Lehraufträgen an Hochschulen übernahm er 2008 die Professur für Lichtplanung an der Hochschule Kaiserslautern im Fachbereich Bauen und Gestalten. 2009 gründete er sein eigenes Büro „Lichtwerke“, um Lichtprojekte ganzheitlich und individuell zu gestalten. Der szenografische Background und die Arbeiten mit den Neuen Medien machen in den realisierten Projekten neue, andersartige Impulse für die intuitive Benutzung von Licht sicht- und erlebbar.

Lux Select: Herr Hofmann, Ihre Philosophie klingt einfach, lässt aber gleichzeitig die Komplexität erahnen, die in den einzelnen Projekten steckt. Wie gehen Sie grundsätzlich an ein Projekt?

Stefan Hofmann: Es geht in erster Linie darum, für eine jeweilige Architektur adäquate Lichtstimmungen und Raumatmosphären zu konzipieren. Architektur und Licht verstehen wir als Einheit. Unser zentrales Anliegen ist es die Entwurfsabsichten eines Architekten mit Licht herauszuarbeiten und zu unterstützen. Wenn wir es schaffen, Licht so in eine Architektur zu integrieren, dass sich die Frage nach dem „richtigen“ Licht erst gar nicht mehr stellt und vom Nutzer als selbstverständlich, wohlfüllend und positiv aufgenommen wird, dann  haben wir unser zentrales Anliegen erreicht.

Lux Select: Sie sagen, dass die Lichtplanung den Entwurf des Architekten unterstützen soll. Wann werden Sie für gewöhnlich in die Planung eingebunden?

Stefan Hofmann: Je früher und intensiver die Zusammenarbeit mit einem Architekt und Bauherrn beginnt, umso besser. Glücklicherweise arbeiten wir oft mit Architekten, die motiviert auf eine beständige Zusammenarbeit mit uns sind. So hat es sich eingespielt, dass wir oft sehr früh in einen Gestaltungsprozess eingebunden werden. Wir sind dann stets bestrebt die notwendigen lichttechnischen Tools möglichst unsichtbar in eine jeweilige Architektur zu integrieren. Ein bisschen so wie in einer Theaterarchitektur: Licht und Technik verstecken sich hinter dem Bühnenportal. Die Frage nach dem technischen Zustandekommen des Gesehenen stellt sich gar nicht, oder lenkt nicht mehr ab. Man kann sich voll und ganz auf die Bühne und deren raumatmosphärische Wirkung konzentrieren und sich ihr hingeben. Ein solches Gefüge hat Kraft. Licht ist ein immaterieller Werkstoff - ein sehr dankbares Medium.

Lux Select: Gibt es dabei Unterschiede? Wird international früher nach einem Lichtplaner gerufen als hier?

Stefan Hofmann: Natürlich gibt es Unterschiede. Jeder Planungspartner hat seine ganz eigene und damit unterschiedliche Erwartungshaltung an die Form und Intensität einer Zusammenarbeit. Dies ist bei internationalen Projekten nicht anders und wir konnten bisher auch nicht feststellen, vermehrt früher oder später dazu gerufen worden seien.

Lux Select: Sie bewegen sich mit Ihren Projekten auch in anderen Kulturkreisen, z.B. durch Projekte im Iran. Planen Sie da genauso wie hier oder sind die Anforderungen oder eigenen Ansätze anders?

Stefan Hofmann: Die Art des Arbeitens und die zu vermittelnden lichtplanerischen Inhalte und Planungsunterlagen sind für uns im Wesentlichen identisch. Ich schätze diese Form der Arbeit sehr. Man ist dazu angehalten zielgerichtet, konzentriert und bestimmt seine Inhalte zu präsentieren und zu übergeben. Planungsmeetings bei unserem aktuellen Projekt in Teheran – einer großen Mall – können ja nicht jede Woche stattfinden. Die Effizienz ist das, was ich so schätze.

Lux Select: In ihrem Werdegang haben Sie intensiv am Theater, in der Kunst und anderen medienorientierten Projekten gearbeitet. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit in der Architektur?

Stefan Hofmann: Der Satz eines guten Freundes hat sich mir nachhaltig eingeprägt: Du bist wie ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt, was um ihn herum so passiert. So ist z.B. das Reisen für mich eine große Lust und Freude und keine Anstrengung. Ich liebe es in andere Kulturen einzutauchen und bin sehr dankbar, dass sich das mit unserem Job so gut verbinden lässt. Alles um einen herum hat irgendwie einen Einfluss. Die Erfahrungen in verschiedenen Ländern der Welt und die vielen Begegnungen mit den Menschen dort haben mein Leben auch sonst sehr bereichert und mir die Möglichkeit gegeben, Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Mehr denn je würde ich heute der jungen Generation raten, Teile ihrer Ausbildungsund Studienzeit in unterschiedlichen Ländern zu verbringen. Dies wird ihre Sicht auf die Welt enorm erweitern. Vor allem wird es ihnen helfen, sich aufgrund ihrer Fremdsprachenkenntnisse und ihres interkulturellen Know-hows im Geschäftsleben, das immer internationaler und vernetzter wird, souverän zu bewegen. 

Lux Select: Sie geben Ihre Erfahrungen selbst als Professor in Kaiserslautern weiter. Was geben Sie den zukünftigen Lichtplanern mit auf den Weg?

Stefan Hofmann: In Kaiserslautern unterrichte ich Lichtplanung und szenisches Gestalten für unsere jungen und angehenden Architekten und Innenarchitekten. Die lichtplanerische Ausbildung umfasst die Geschichte des Lichts, die Vermittlung der wesentlichen lichttechnischen Parameter und viele praxisnah orientierte Planungsaufgaben. Wir verfügen über ein umfangreiches Lichtlabor, in dem wertvolle praktische Erfahrungen gesammelt werden können und alles Mögliche ausprobiert wird. Davon unabhängig fordere ich unsere Studenten immer wieder dazu auf, in sich hinein zu hören und nach dem zu suchen, für was sie sich wirklich begeistern können. Wenn ich diese Begeisterung spüre, höre ich gespannt und aufmerksam zu. Begeisterung ist auch das was uns trägt.

Lux Select:  Vielen Dank für das Gespräch!