Lichtvision

Lichttechnologie vorausdenken

Viel unterwegs und viel beschäftigt – selten finden sich alle vier Partner von Lichtvision auf einmal im Besprechungsraum ihrer großzügigen Büroetage im denkmalgeschützten Gewerbehof in Berlin Charlottenburg zusammen. Gemeinsam mit dem im Jahr 2006 ausgeschiedenen Dr. Thomas Knoop gründeten Carla Wilkins, Dr. Karsten Ehling, Raoul Hesse und Dr. Thomas Müller im Jahr 1997 die Lichtvision GmbH. Das bis heute auf 30 Mitarbeiter angewachsene Lichtplanungsbüro mit weiteren Niederlassungen in München, London und Hongkong verbindet Designkompetenz mit Know-how und plant Lichtlösungen für Projekte jeder Größenordnung.

Lux Select: Was ist das Besondere am Büro Lichtvision?

Carla Wilkins: Das Besondere ist, dass wir nicht nur die Lichtplanung anbieten, sondern auch eine eigene Entwicklungsabteilung haben. Sie kennt sich zum Beispiel hervorragend mit dem Thema DALI aus, macht dafür Entwicklungen für die lichttechnische Industrie und steht ihr darüber hinaus beratend zur Verfügung. Diese Verknüpfung von Technik, also dem wirklich Puren, Ingenieurhaften, mit dem Produkt und der Lichtplanung, also dem Atmosphärischen, Architektonischen – dieser ganze Spannungsbogen ist aus meiner Sicht das Besondere an unserem Büro. Aber auch, dass wir aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen, jeder einen Beitrag einbringt, seine eigene Sichtweise hat und wir in diesem internen Dialog unser eigenes Gesicht entwickelt haben.

Karsten Ehling: Aufgrund der LED-Technologie und der Digitalisierung des Lichtes gibt es einen Trend, dass gerade mittelständische Leuchtenunternehmen Kompetenzen aufbauen müssen, die sie eigentlich nicht haben, weil es einen großen Wandel gibt, mit dieser Elektronik umzugehen. Klassisch war bislang, alles zuzukaufen, Leuchtmittel waren standardisiert, Vorschaltgeräte waren standardisiert – das verändert sich gerade ziemlich stark. Viele Unternehmen werden nicht in der Lage sein, diese Ressourcen aufzubauen. Wir haben jetzt schon mehrere Kunden, mit denen wir Projekte kombinieren und in beiden Bereichen zusammenarbeiten. Zum einen, weil wir das Designverständnis haben, was die Leuchten anbelangt, zum anderen das Know-how, was Elektronik und Steuerung angeht. In Zukunft wird dies sicher ein größerer Schwerpunkt unserer Arbeit werden.

Lux Select: Wie hat sich die tägliche Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Carla Wilkins: Sie ist digitaler geworden. Tusche wird nicht mehr verwendet, der Skizzierblock dafür sehr viel. Die Zeit, die uns gegeben wird, um Problemlösungen zu finden, ist extrem geschrumpft.

Karsten Ehling: Bei Lichtvision haben wir  heute eine klare Managementstruktur. Vor 15 Jahren starteten wir als Pioniere, jeder hat alles gemacht, jeder war in jedes Projekt eingebunden. Das war kreativ und zum Teil chaotisch, aber funktionierte. Heute haben wir sehr klare Strukturen, klare Prozesse und klare Verantwortlichkeiten, wer für was zuständig ist. Wir führen das Büro Lichtvision wie ein mittelständisches Unternehmen. Lichtvision ist in den letzten vier Jahren kontinuierlich gewachsen und hat seine Mitarbeiterzahl seit dem Jahr 2008 nahezu verdoppelt.

Lux Select: Worauf lässt sich das zurückführen?

Raoul Hesse: Wir haben uns strategisch internationaler ausgerichtet und angefangen, mit Londoner Architekten zusammenzuarbeiten. Auch haben wir begonnen, Kontakte in Middle East und Asien aufzubauen, was gut funktioniert hat. Daher sind wir mit diesen neuen Märkten auch stärker gewachsen. Mittlerweile befinden sich mehr als 50% unserer Projekte im Ausland. Die Projektstruktur von Lichtvision ist breit gefächert. Sie reicht von der Autound Flugzeugindustrie über klassische Architekturbeleuchtung, Museen und Shopping-Malls bis hin zur neuen AIDA-Baureihe.

Lux Select: Welche Anforderungen müssen bei der Beleuchtung eines Kreuzfahrtschiffs erfüllt werden?

Thomas Müller: Ein Kreuzfahrtschiff ist wie eine komprimierte Stadt oder ein Freizeitpark. Es gibt Shops, Casinos, Wellnessbereiche, Sportstudios, Hotelzimmer, Restaurants etc. Jeder Bereich muss unterschiedlich in der Gestaltungssprache sein. Tagsüber möchte man eine andere Stimmung als am Abend, mit dem Licht werden die Unterschiede zwischen Tag- und Abendstimmung explizit herausgearbeitet. Besondere Anforderungen kommen zum Teil aus den USA, weil die Schiffe international unterwegs sind. So muss z. B. jede einzelne Stufe gut ausgeleuchtet sein, spezielle hygienische Auflagen müssen erfüllt und Beleuchtungsstärken von mindestens 220 Lux auf den Bars und Tresen eingehalten werden. Gefordert ist auch ein relativ hohes Notbeleuchtungsniveau, die Leuchten müssen alle so  konstruiert sein, dass Vorschaltgeräte usw. fest montiert und verbunden sind, nichts darf lose im Deckenraum liegen, es dürfen keine Geräusche durch Vibrationen auftreten. Im Außenbereich müssen die  Leuchten resistent gegen Salzwasser und salzhaltige Luft konstruiert sein.

Lux Select: Sind Bauherren bzw. Aufraggeber mittlerweile informierter als noch vor 10 Jahren, weil die Beleuchtung insbesondere auch unter dem Aspekt der Energieeffizienz und den damit verbundenen Einsparpotentialen immer mehr in den Fokus rückt?

Raoul Hesse: Die Komplexität des Lichtes wird stärker wahrgenommen – insbesondere auch im Zusammenhang mit der LED Technologie, die den Markt verändert. Man hat begriffen, dass die Themen  Nachhaltigkeit und Energie eine große Rolle spielen und es sinnvoll ist, Spezialisten mit der Planung zu beauftragen.

Lux Select: Inwieweit wird Ihr Arbeitsfeld von der aktuellen Energiediskussion beeinflusst?

Carla Wilkins: Wenn man sich in der Lichtbranche tummelt, dann weiß man, dass man sich in einer Technologie bewegt, die sich ständig weiterentwickelt. Man weiß also auch, dass man sich nicht mit dem Wissen, was man schon immer hatte, satt zurücklehnen und weiterplanen kann. Man muss sich also immer weiterbilden, sehen, was sind die neuen Technologien, insbesondere, weil wir Planungen für Projekte machen, die in fünf oder auch erst in  fünfzehn Jahren eröffnet werden. Das heißt, man muss jetzt aufmerksam sein, was in der Zukunft kommt. Natürlich geraten die Energiediskussionen im Sinne von Watt/qm immer stärker in den Focus, insbesondere weil Energie spürbar teuer wird.

Thomas Müller: Auf Kreuzfahrtschiffen wird der Einsatz von energieeffizienten Leuchtmitteln immer wichtiger. Zum Teil bekommen wir von den Reedereien Vorgaben, 25% an Energie einzusparen. Das heißt, wir müssen bestimmte Bereiche auf dem Schiff mit LED ausstatten. Das erschwert es, die Lichtqualität an Bord aufrecht zu erhalten, die uns die Halogenglühlampe vorher garantiert hat. Denn insbesondere beim Schiffsinterieur werden hohe Anforderungen hinsichtlich der Farbwiedergabe von Oberflächen, Farben und Materialien gestellt. Beim Einsatz von LEDs mit sehr guten Farbwiedergaben sind die Kosten um einiges höher als bei Halogenglühlampen.

Carla Wilkins: Wir als Lichtplaner stehen trotzdem vor der Herausforderung: Es gibt bestimmte Qualitäten und Werte, die wir vermitteln und auch in unseren Projekten sehen wollen. Das höchste Lichtgut ist die Lichtqualität. In allen Projekten schlagen wir dem Bauherrn erst dann LED vor, wenn wir der Meinung sind, dass eine adäquate Lichtqualität in dem Projekt etabliert werden kann. Wir beobachten den Markt sehr genau und versuchen, der Industrie Impulse für die Weiterentwicklung der LED-Technologie zu geben.

Lux Select: Jetzt das vordenken und planen, was in 10 Jahren State of the Art ist – wie geht das in einer Zeit, in der sich die Technik rasant entwickelt und die Entwicklungszyklen immer kürzer werden?

Carla Wilkins: Man kann natürlich nicht in die Glaskugel schauen. Aber man kann  versuchen, ein sehr klares Konzept zu haben, also eine über dem Ganzen sitzende Lichtidee. Ich glaube, beim Pergamonmuseum kann es uns passieren, dass die von uns im Jahr 2004 entwickelte Lichtidee der Azimutabhängigen Lichtsteuerung im Jahr 2015 wohl auf dem Markt etabliert sein wird. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die konzeptionelle Idee nicht technologieabhängig ist. Man sollte eine klare Vorstellung von der Lichtatmosphäre und den beabsichtigten Lichtwirkungen haben und dann sehen, mit welchen unterschiedlichen Technologien diese realisiert werden können.

Das Gespräch führte Andrea Rayhrer.

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