LDE Belzner Holmes, Stuttgart

Man könnte sagen, wir sind Lichtarchitekten

Seit dem Jahr 2002 betreiben Uwe Belzner und Andy Holmes zusammen das Büro LDE Belzner Holmes mit Hauptsitz in Stuttgart und dem Partnerbüro LDE AG in Liechtenstein. Beide sind ausgebildete Architekten und kennen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Arbeit im Jahr 1984 am Staatstheater Stuttgart. Uwe Belzner war damals Leiter der Lichtabteilung, Andy Holmes Architekturstudent. Heute bearbeiten sie mit insgesamt 18 Architekten, Innenarchitekten und Lichtdesignern lichtplanerische Aufgaben in Architektur und Städtebau, auf der Bühne und im Ausstellungswesen. Im Gespräch: Andy Holmes

Lux Select: „Licht heilt keine Wunden“ so der Titel eines Beitrags, den Sie über das nächtliche Licht in der Stadt vor einiger Zeit veröffentlicht haben. Was ist damit gemeint?

Andy Holmes: Es gibt den bekannten Satz von Frank Lloyd Wright: „Ein Arzt kann seine Fehler begraben, ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen.“ („A doctor can bury his mistakes, but an architect can only advise his clients to plant vines.”) Genau das ist das Thema. Man betreibt Lichtkosmetik und versucht, Dinge, die daneben gegangen sind, hinterher mit Licht zu retten. Das ist ein falscher Ansatz einerseits. Andererseits denken Gemeinden manchmal auch, man könne es etwa im Rahmen einer Stadtmarketing- Aktion mal schnell und kostengünstig mit Licht „hübsch“ machen und dann passt das schon. Würde auch nur nachts nützen, und tagsüber bliebe alles beim Alten. Sicher, wir können mit Licht schon einiges korrigieren, aber es ist eben kein Doktor und keine Ersatzleistung für eine Fehlplanung. Wir sehen es als unterstützende Leistung für eine gute Planung.

Lux Select: Welche Projekte sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Andy Holmes: Aus meinen jungen Jahren ist es das Side Hotel in Hamburg: weil wir es dort geschafft haben, das Licht so zu integrieren, dass es einerseits als künstlerisches Element zu Tage tritt und andererseits auch als Funktionslicht dient. Es gab nicht zwei Systeme, und wir konnten mit relativ wenigen einfachen Mitteln eine sehr schöne Inszenierung machen. Wir haben kaltweißes und warmweißes Leuchtstofflampenlicht gegeneinander gedimmt, Wellen und blaue Lichtstreifen über die Fassade geschickt. Wenn man im 10-geschossigen Atrium in der Mitte steht und nach oben schaut, denkt man, es wäre ein tageslichtdurchfluteter Raum, dabei handelt es sich ausschließlich um Kunstlicht. Das fand ich damals sehr spannend. Ebenfalls sehr gut gelungen ist auch das smac, das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz, das im letzten Jahr eröffnet wurde. Und auch das 2014 fertiggestellte Zeiss Museum der Optik in Oberkochen möchte ich gerne noch erwähnen. Bei beiden Projekten haben wir auf Stromschienen an der Decke verzichtet und uns getraut, die Leuchtenstandorte festzulegen, bevor wir die Ausstellung kannten. Das hat gut funktioniert. Wenn man die Kollegen dann noch dazu bringt, Brandmelder, Sprinkler, Lautsprecher usw. aufzuräumen und sauber irgendwie wegzupacken, dann schafft man wunderschöne, ruhige Raumbilder.

Lux Select: Dann verstehen Sie sich also auch als Deckenplaner?

Andy Holmes: Man müsste eigentlich ein eigenes Berufsbild als Deckengestalter aufmachen. Wir sind immer in einer relativ frühen Planungsphase involviert. Vielleicht gibt es da schon einen Vorentwurf vom Architekten, aber an der Decke ist noch nichts festgelegt. Dann müssen wir einsteigen und mit den Kollegen von der Fachplanung Elektro und Lüftung alles in Einklang bringen. Wir spielen sozusagen den Mediator zwischen Architektur und technischen Einbauten und versuchen, möglichst viel zu bündeln und zu integrieren. Reine funktionale Downlightlösungen sind für uns in Bezug auf die Deckengestaltung die letzte Lösung.

Lux Select: Was hat sich für Sie aus der Planerperspektive mit dem Aufkommen der LED-Technologie geändert?

Andy Holmes: Wir entwickeln viel mehr Leuchten als früher. Die LED-Technologie bietet uns eine Art Baukastensystem, aus dem wir die gewünschte Lösung zusammenstellen und selbst formen können. Allerdings lässt die Qualität der auf dem Markt befindlichen Leuchten und Leuchtenbestandteile oftmals noch zu wünschen übrig und es wird noch ein paar Jahre dauern, bis sich die LED soweit entwickelt haben, dass man sie ersatzlos einsetzen kann. Es gibt z. B. noch keine lichttechnisch und wirtschaftlich zufriedenstellende LED-Lösung für diffuses Licht. Die Leuchtstofflampe ist meines Erachtens für die Grundbeleuchtung im Büro immer noch das Mittel der Wahl.

Lux Select: Beeinflusst die Energieeffizienzdebatte Ihren gestalterischen Freiraum?

Andy Holmes: Nein, ich sehe das als Herausforderung, es ist die nächste Dimension. Wir haben im Prinzip die Lichtgestaltung, die Integration in die Architektur und natürlich die Energieeffizienz. Zum ersten Mal richtig eingestiegen sind wir bei Expo 2008 Zaragossa. Die Vorgaben hinsichtlich der einzuhaltenden Energieeffizienz waren relativ strikt. Das hieß, dass wir nicht unbedingt mit Rock‘n Roll-Leuchten arbeiten konnten, wie sonst bei klassischen Messeinszenierungen üblich, sondern darüber nachdenken mussten… Wir haben den preisgekrönten deutschen Pavillon u. a. dann mit vielen kleinen eigens angefertigten Leuchten inszeniert, die mit 20 W Halogenmetalldampflampen bestückt waren: Und trotz 1000 Quadratmeter höchst dynamischer Lichtinszenierung waren wir mit unserem Energieverbrauch wesentlich unter dem der Tonanlage gelandet. Im Moment stellen die Medien das größere Problem dar, sie werden immer mehr eingesetzt – Bildschirme, Monitore, Beamer, Tonanlagen etc., da wird noch wenig über Energieeffizienz und Nachhaltigkeit nachgedacht. Wir nehmen diese Herausforderung gerne an und schlagen uns auch gerne selbst: Früher haben wir für Ausstellungsbeleuchtung 25 Watt pro Quadratmeter veranschlagt, ganz früher sogar 40 Watt mit Halogen. Inzwischen befinden wir uns in der Regel bei einer Anschlussleistung von rund 10 bis 15 Watt pro Quadratmeter, je nach Tageslichtsituation.

Lux Select: Lichtkünstler, Lichtplaner und / oder Lichtgestalter – welcher Begriff entspricht am ehesten dem Selbstverständnis des Büros Belzner Holmes?

Andy Holmes: Lichtkünstler sind wir bestimmt nicht, Lichtplaner sicher, ebenso Lichtdesigner, Gestaltung ist immer dabei. Wir werden gerne auch als Lichtarchitekten bezeichnet. Wir können mit den Architektenkollegen über Architektur diskutieren und wissen, sie zu verstehen. Denn wir interpretieren ja ihre Gebäude. Anders als ein Elektroplaner zum Beispiel, der funktional denkt und den Architekten die gestalterische Interpretation überlässt, gehen wir noch mal rein ins Gebäude und sagen: Okay, was willst Du mit dem Gebäude anfangen – lass uns jetzt darüber nachdenken, wie wir es inszenieren, wie wir das Licht integrieren. Das Fachtechnische können wir auch, aber das kommt dann erst später. Wir fangen mit den gestalterischen Aspekten an und steigen dann in die Technik ein.

Lux Select:  Vielen Dank für das Gespräch!


Das Gespräch führte Andrea Rayhrer.

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