Dorette Faulhaber und Corinna Arens

„Mit Licht zu dekorieren, ist nicht unser Weg.“

Sie sind Lichtplanerinnen und seit mehr als 20 Jahren im Dienst des Lichtes aktiv: Architektin Corinna Arens und Innenarchitektin Dorette Faulhaber. Beide starteten ihre Karriere 1987 im Kölner Büro Lichtdesign unter der Leitung von Hans Theodor von Malotki, der ihre Haltung im Umgang mit dem Medium Licht entscheidend geprägt hat. Später auch als Partner/Mitarbeiter bei  Lichtdesign und Licht Kunst Licht in Bonn tätig, gründeten sie 1999 ihr eigenes Büro in Köln und entwickeln seitdem zusammen individuelle Lichtlösungen für Kirchen, Verwaltungsgebäude, Banken und innerstädtische Hofanlagen sowie für Restaurants und Läden bis hin zu privaten Villen.
 

Sie haben in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl ausgewählter Projekte mit hohem Anspruch realisiert. Was zeichnet ihren Umgang mit dem Medium Licht aus?
Licht ist ein immaterieller Werkstoff. Im besten Fall sieht man in einem Gebäude überhaupt keine Leuchten, sondern spürt zuerst das Licht und fragt sich anschließend, wo es herkommt. Dieser Anspruch lässt sich leider nicht i mmer umsetzen. Insbesondere dann nicht, wenn wir es mit historischer, denkmalgeschützter Bausubstanz zu tun haben, wo sich die Leuchtenelemente nur schwer in Hohlräumen einsetzen lassen. Doch wo wir sichtbare Leuchtenkörper vermeiden können, verzichten wir auf diese und integrieren das Licht in die Architektur  – es strahlt dann aus Schlitzen und Fugen und bauliche Elemente dienen als Reflektionsfläche.

Sie beraten Architekten bei lichttechnischen Fragestellungen und erarbeiten komplette Lichtkonzepte. Wie gehen Sie dabei vor?
Die Aufgabenstellung wird präzise analysiert, um ein sensibles, exakt auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenes Beleuchtungskonzept entwickeln zu können. In enger
Zusammenarbeit mit dem Architekten wird seine Vision zum Thema Licht weiterentwickelt und in ein funktionales und gestalterisches Gesamtkonzept umgesetzt.

Zum Beispiel …
… bei der Planung des Erzbischöflichen Generalvikariats in Paderborn wünschte sich der Architekt, dass die ruhige, fast sinnlich anmutende Tageslichtstimmung des Kreuzgangs mit Hilfe der künstlichen Beleuchtung in die umzuplanenden anderen Gebäudeteile transferiert würde. Wie ein roter Faden zieht sich diese Idee durch das gesamte Gebäude hindurch und wird durch überwiegend indirekt beleuchtete Decken und Wandflächen subtil umgesetzt.

Beim Erzbischöflichen Generalvikariat führte die Tageslichtstimmung zur Schlüsselidee für das Kunstlichtkonzept. Wie halten Sie es sonst mit dem Tageslicht?
Oft möchte man die Tageslichtsituation eines Gebäudes mit der künstlichen Beleuchtung fortsetzen. So lassen wir das Gebäude aus dem Tageslicht langsam und harmonisch in die Kunstlichtsituation übergehen. Die Kunstlichtkonzeption kann jedoch auch eine gegensätzliche Aussage zum Tageslicht treffen und die Architektur so bei Nacht neu interpretieren. Dieser Planungsansatz ist immer abhängig von der Nutzung, was für ein Museum richtig scheint, kann für ein Verwaltungsgebäude vollkommen unangemessen sein. Es gibt hier keine grundsätzlich festgelegte Vorgehensweise.

Zunehmend werden Gebäude nicht mehr nur beleuchtet sondern inszeniert oder besser gesagt überinszeniert?
Lichtinszenierungen können einen hohen Wiedererkennungswert für ein Projekt schaffen. Das Problem ist, dass mittlerweile fast jeder Supermarkt mit Licht inszeniert wird und farbig daherstrahlt. Mit farbigem Licht zu arbeiten ist immer eine Gradwanderung und bedarf daher eines sensiblen Umgangs. Es muss nicht immer am hellsten, buntesten oder lautesten sein – es muss glaubhaft bleiben und dem Projekt angemessen sein.

Sie sind ein kleines feines Büro, das ausgewählte Projekte bearbeitet. Denken Sie manchmal daran, sich zu vergrößern?
Wir sind oft gefragt worden, unser Büro zu erweitern wenn wir mit unseren Kapazitäten an die Grenze stoßen. Bei diversen Projekten haben wir daher die Zusammenarbeit mit Partnerbüros vorgeschlagen. Dies wurde jedoch bisher immer abgelehnt, da Architekten und Bauherren die persönliche Projektbearbeitung durch uns schätzen. Das ist auch der Grund, warum unser Büro nach unseren beiden Namen benannt ist.

Ihre Partner schätzen Ihren Erfahrungshorizont und Ihr persönliches Engagement, das den vereinbarten Leistungsumfang gern auch mal übersteigt. Wie weit geht ihre Unterstützung?
Unser Leistungsumfang umfasst die Entwurfsplanung, deren Umsetzung sowie die Entwicklung von Sonderleuchten. Darüber hinaus bieten wir auch individuelle Beratungsleistungen zu konkreten Aufgaben an wie zum Beispiel die Unterstützung bei Wettbewerben. Auch wenn unser Schwerpunkt auf dem Entwurf liegt, wenn es das Projekt erfordert, fahren wir auf die Baustelle und klären die Dinge vor Ort. Mit der langen Berufserfahrung, über die wir verfügen, hat man ein Gespür dafür, an welchem Punkt man im laufenden Projekt unbedingt einhaken muss. Denn letztendlich werden wir an dem Ergebnis gemessen und stehen dafür gerade.

Das Gespräch führte Andrea Rayhrer, Stuttgart

Website von Dorette Faulhaber und Corinna Arens