Unser Stil ist das Reduzierte

Qualität geht bei den Projekten von a·g Licht vor Quantität – die drei Partner verstehen sich als Planer, nicht als Manager.

Wie so viele deutsche Lichtplanungsbüros hat auch die a·g Licht ihre Wurzeln im legendären Kölner Büro „Lichtdesign“ des Branchenpioniers Hans T. von Malotki. Doch mit der DG Bank (heute DZ Bank) am Pariser Platz in Berlin legten Wilfried Kramb und Klaus Adolph 1996 einen furiosen Start des eigenen Büros hin. Seitdem gestalten sie Lichtkonzepte für Bauten rund um die Welt und wurden dafür bereits vielfach ausgezeichnet. Wir trafen die drei heutigen Partner von a·g Licht, Klaus Adolph (KA), Wilfried Kramb (WK) und Daniel Walden (DW) in ihrem Büro in der Bonner Dechenstraße. Sie haben bereits mit vielen bekannten Architekten zusammengearbeitet, wie etwa mit Gehry, von Gerkan, Marg und Partner oder Ortner & Ortner. 

Lux Select: Hat sich Ihnen ein Projekt besonders eingeprägt? 
KA: Ich gehe heute noch gerne in das Arp Museum in Rolandseck, wo wir die Tageslichtplanung für die Architekten von Richard Meier betreuen durften. Nach wie vor ein tolles Projekt.
WK: Die Zusammenarbeit mit Spitzenarchitekten fordert und inspiriert uns. Aber wir gehen an alle Projekte gleichermaßen unvoreingenommen und mit vollem Einsatz heran. 2012 waren wir beim Deutschen Lichtdesign-Preis gleich mit drei ganz unterschiedlichen Projekten in der Kategorie Verwaltung nominiert: Mit Sedus Stoll, der Deutschen Bank in Frankfurt und den Cologne Oval Offices, einem Investorenprojekt. Das hat letztlich gewonnen, weil wir dort mit den Architekten und Bauherren in einem engen Budgetrahmen eine so hohe Qualität umsetzen konnten. 
KA: Erst einmal interessieren uns nicht die  Leuchten, sondern Architektur und Funktion in Verbindung mit Lichtstimmung und Atmosphäre. Wie können wir die Architektur unterstützen und die Funktion herausarbeiten? Dann erst kommen die Produkte. In den besten Projekten wird nicht vorrangig über das Licht gesprochen, sondern die Gesamtqualität steht im Vordergrund.

Lux Select: Wie sieht Ihre Bürostruktur aus, wie viele Mitarbeiter haben Sie hier in Bonn?
DW: Mit sieben bis neun Lichtplanern haben wir die optimale Größe, um große und kleine Projekte gleichermaßen effektiv bearbeiten zu können. Wir begreifen uns nicht als Tanker, eher als wendiges Speedboat. Mit dieser Struktur können wir von Anfang bis Ende im Projekt bleiben und jeden Schritt persönlich begleiten. 
WK: Wir sind Lichtplaner, keine Manager – eine ganz persönliche Entscheidung. 

Lux Select: Wie sind die Rollen unter den Büropartnern verteilt, gibt es eine Spezialisierung?
KA: Jeder ist Zehnkämpfer und betreut mit seinem Team mehrere Projekte. Aber über die Zeit haben sich Erfahrungsschwerpunkte gebildet: Bei Wilfried zum Beispiel Tageslicht und Fassaden, bei Daniel sind es die individuellen Projekte, bei mir persönlich hat sich Produktdesign und Beratung zu einem weiteren Schwerpunkt entwickelt. So bleibt man immer im Dialog, nutzt den Erfahrungsschatz und die Urteilskraft der Kollegen. Diese Kommunikationskultur ist etwas Besonderes und beeinflusst das Teamwork im ganzen Bauprozess positiv.

Lux Select: Ihr Portfolio umfasst auch eine Reihe von Projekten in Asien, insbesondere in China. Wie laufen solche Projekte ab?
WK: Der Einstieg war die Messe in Nanning mit gmp. Die Architekten sprachen uns direkt an und es lief so gut, dass eine Reihe weiterer Projekte dort folgten. Es gibt Asienprojekte, wo wir nur den Entwurf mit den Architekten in Europa abstimmen und mit der Umsetzung nur noch begleitend zu tun haben. Bei anderen sind wir über Bemusterungen und die Bauphase bis zur Abnahme mit dabei – da muss man auch mal für zwei Übernachtungen nach China fliegen. Der Reiz liegt im Maßstab der Aufgaben: Eine Oper, zehngeschossige Shopping Malls, Medienfassaden, solche Projekte erweitern die Vision. Aktiv akquirieren wir in Asien allerdings nicht, die Aufträge erfolgen meistens durch die dort tätigen Architekten.

Lux Select: Ein anderes Thema: Energieeffizienz,  und in diesem Zusammenhang natürlich auch die LED-Technologie. Was ändert sich aus Planerperspektive?
DW: Manchmal hat man den Eindruck, Energieeffizienz wäre etwas Neues, aber das stimmt ja nicht. Wir haben immer schon wirtschaftlich geplant – vom Invest wie auch von den Anschlusswerten her. Alle haben darauf geachtet, wir als Planer, die Bauherren und die Projektsteuerer. Die LED bietet jetzt die Chance, weiter zu optimieren – aber es gibt für uns keinen konzeptuellen Bruch.
KA: Von den Produkten her sind wir in einer Übergangsphase. LEDs werden noch wie neue Leuchtmittel betrachtet und in alte Hüllen gepackt. Man muss sich an die neue Lichttechnik, an die Möglichkeiten wohl erst gewöhnen. Irgendwann kommen dann LED-Produkte, bei denen jeder erkennt: neue Technik in einer neuen Hülle. Ein ganz natürlicher und wichtiger Prozess.
DW: Für uns bedeutet das, häufig zweigleisig planen zu müssen. Vor ein paar Jahren hatten viele Bauherrn LED-Produkte noch gar nicht in der Betrachtung. Als Planer mussten wir sie davon überzeugen, dass LEDs die Technologie der Zukunft sein werden. Inzwischen ist das einfacher. 
WK: Wer mit LED Energie sparen will, muss auch zu den entsprechenden Investitionen bereit sein. Viel Zeit fließt in Gegenüberstellungen von LED und konventionellen Lichtquellen, um unsere Partner von der adäquaten Lösung zu überzeugen. 

Lux Select: Auch die Lichtsteuerungstechnologie entwickelt sich stürmisch und bringt Dynamik in die Architektur. Welche Rolle spielt szenisches, theatralisches Licht in Ihrer Arbeit?
WK: Was wir immer gemacht haben ist, verschiedene Zustände der Architektur zu definieren und diese auch atmosphärisch und szenisch darzustellen. Allerdings nicht im Sinne einer kurzfristigen Inszenierung, sondern langfristig gekoppelt an die Räume und ihre Funktion. Beispielsweise unterschiedliche Zustände für Tag, Nacht und die Übergangsphasen. Medienfassaden sind ein Thema für sich, bei dem wir auch mit Spezialisten für die Technik zusammenarbeiten. 
KA: Grundsätzlich gehen wir mit dem Begriff Lichtinszenierung vorsichtig um. Wir wollen der Architektur nichts überstülpen. Was wir tun, ist wesentlich leiser: Wir arbeiten mit dem, was räumlich, architektonisch schon vorhanden ist. Dies ist oft spannend genug. 
DW: Unser Ziel ist nicht die Neuinterpretation einer Architektur. Wir wollen im Dialog mit dem Architekten herausfinden: Wie stellt er sich eine Nachtansicht des Gebäudes vor, welche Elemente und inneren Strukturen sind ihm wichtig? Die können wir dann mit Licht herausarbeiten.
KA: Wir wollen in den gesamten Projektablauf, vom Tageslicht über das Kunstlicht bis zum Produktdesign, dieses Reduzierte, Leise hineintragen. Und zwar bis in die Umsetzung – damit unsere Projekte nicht nur auf dem Papier oder dem Bildschirm, sondern auch in der Realität großartig aussehen.

Das Gespräch führte Martin Krautter.

Website von a·g licht

Foto: v. l. n. r.: Klaus Adolph, Wilfried Kramb und Daniel Walden / a·g Licht